Mangel an Selbstvertrauen

Mangel an Selbstvertrauen ist ein Thema, das in irgendeiner Form jeden Menschen betrifft. Woran liegt es? Was kann mann/frau „dagegen“ tun?

Immer wieder lese ich in Zeitungen von Künstlern oder Hollywood-Stars, dass sie berichten, wie sehr es ihnen an Selbstvertrauen mangelt. Und wahrscheinlich denkt jeder, der das liest: Meine Güte so ein berühmter, reicher, schöner Mensch, jemand, der so viel in seinem Leben erreicht hat … und der stöhnt über seinen Mangel an Selbstvertrauen?!

Und dann gibt es dieser „Überflieger“, von sich selbst völlig überzeugt, sie treten souverän und energisch, charmant und überzeugend auf und kaum jemand würde vermuten, dass ich auch genau mit so einem Auftritt mangelndes Selbstvertrauen kaschiert werden soll.

Wir sehen, dass es nicht hilft, berühmt und reich und schön und klug zu sein, um das eigene Selbstvertrauen zu stärken. Meine Meinung ist sogar die, dass es eher „schadet“. Udo Jürgens sagte in einem Interview zu seinem 80. Geburtstag, dass der Absturz am Tag nach einem euphorisch gefeierten Konzert immer hart war, dass die Einsamkeit umso heftiger zuschlug, je mehr er gefeiert worden war und seine Kinder und sein Bruder bestätigten, wie sehr er dann die Familie brauchte, um nicht ins Bodenlose zu fallen.

Ein Mangel an Selbstvertrauen ist genau das:

ICH VERTRAUE MIR NICHT.

Und es hat seine Ursprünge sehr früh in unserem Leben, nämlich, da wo wir die feine kleine Stimme in uns wahrnahmen und aus was für Gründen auch immer, ihr keinen Raum in unserem Leben gaben. Mein Cousin hat dazu diese kleine Geschichte: „Die Stimme sagt dir: biege bitte hier links ab. – und du fährst geradeaus weiter, weil du ein anderes Ziel hast und dir denkst, was weiß diese Stimme schon!“
Wir alle hören diese Stimme. Nur wenn wir sehr häufig geradeaus weitergefahren sind, statt links abzubiegen, dann wird die Stimme immer schwächer und je lauter und energischer wir leben, je mehr im Rampenlicht und von der Anerkennung anderer abhängig wir unser Leben vorantreiben, desto leiser ist diese Stimme.

So geht es also eigentlich um Balance.
Balance in mir zu finden, um sowohl meinen Zielen, als auch meiner inneren Wahrnehmung gleichberechtigten Raum zu geben.

Nehmen wir das links Abbiegen. Ich habe die Freiheit und die Möglichkeit so zu handeln -> Ich fahre rechts ran und frage meine innere Stimme: meinst du das ernst? – Ja. – Also du willst wirklich, dass ich hier links abbiege, trotz dieses Termins,  den ich in fünf Minuten habe und für den ich unbedingt geradeaus weiterfahren muss? – Ja.

So bin ich wenigstens ins Kontakt mit mir, bin nicht über meine innere Wahrnehmung hinweg gegangen und ich kann vielleicht zu einem deal kommen: O.k. ich fahre jetzt erst einmal geradeaus weiter und weiß aber, dass du links abbiegen wolltest. Ist das o.k. für dich?
Manchmal ist es nicht o.k.. Ein Bekannter von mir hatte beim Blätterharken diesen Dialog. Er harkte unter einer seiner Eichen und wollte diese Tätigkeit eigentlich nicht „jetzt“ aufhören. Er sagte: Ich hatte das Gefühl, meine innere Stimme würde mich geradezu anschreien, sofort ins Haus zu gehen. Letztendlich gab er klein bei und hörte auf mit dem Harken, ging in Richtung Haus und hörte noch im Weggehen einen mächtigen Krach hinter sich. Er drehte sich um und sah, wie ein riesiger Ast der Eiche runtergekracht war, genau an den Platz, wo er vorher gestanden hatte und geharkt hatte.
Hören Sie sich mal in Ihrem Freundeskreis um. Wenn Sie es nicht bereits selbst erlebt haben, dann werden Sie dort sicher Menschen finden, die ähnliche Erlebnisse zu berichten haben.

Den Mangel an Selbstvertrauen gilt es also nicht „wegzumachen“, sondern es geht darum, sich zu entscheiden. Es geht um die Entscheidung, sich sehr bewusst auf die Kraft einzulassen, die in uns allen wohnt, die uns atmen macht. Es geht um den innigen und liebevollen, respektvollen und wertschätzenden Kontakt zu mir selbst.

Höre ich „mich“ und bin ich bereit dem zu folgen, was ich da in mir höre, dann erledigt sich alle „Berühmheit“ von selbst, weil ich weiß, dass ich mein einmaliges Leben lebe und das hat seine eigene Natürlichkeit. Leben im Selbst-Vertrauen bedeutet, Leben außerhalb des „Hypes“, Leben innerhalb meines tiefsten inneren Wissens, frei von äußeren Meßlatten. Und Sie können darauf vertrauen, damit sehr erfolgreich zu sein, ohne Aufgeregtheiten und ohne die Überschrift „Mangel an Selbstvertrauen“. Sie mögen ein ruhiger Mensch sein oder ein extrovertierter Mensch, Sie mögen Zeit für Entscheidungen brauchen oder schnelle Bauchentscheidungen fällen können. Sie mögen jung sein oder alt, krank oder gesund … oder … oder … oder. Der Kontakt zu Ihnen selbst lässt Sie über eins gewiss sein:

Sie wissen wer Sie sind
und gehen vertrauensvoll den nächsten Schritt,
den Sie in sich selbst wahrnehmen.
Nur darum geht es.